Trockenfutter, Fertigfutter, Mischfutter



Beide Texte stammen aus "die häufigsten Fragen und Antworten über Kaninchen" vom Kaninchentreff (noch nicht online).



Warum ist handelsübliches Trockenfutter ungesund?


Allein diese Frage könnte ein ganzes Buch füllen, die folgende Auflistung beschränkt sich auf einige, wichtige Punkte. Einige weitere Argumente sind im Text "Warum soll man keine Pellets füttern?" zu finden.

Trockenfutter ist sehr energiereich. Auf Dauer führt der hohe Anteil an Kohlenhydraten (Stärke, Zucker) zu Verfettungen. Nicht immer ist diese Verfettung zu erkennen, sondern sie manifestiert sich manchmal "nur" als Organverfettungen (Folgen: plötzlicher Tod z. B. durch Herzinfarkte oder Nieren/Leberversagen).

Da die Tiere durch das energiereiche Futter schnell satt sind und nicht wie bei einer naturnahen Ernährung mit verhältnismässig energiearmer Kost, täglich mehrere Stunden mit Kauen beschäftigt sind, nutzen sich die ständig nachwachsenden Zähne nicht richtig ab. Auch ist die Verdauung von Kaninchen auf täglich 30- 40 Portionen ausgelegt. Der Darm ist so gebaut, dass die neuen Portionen helfen, den Futterbrei zu bewegen. Sind die Kaninchen durch das energiereiche Futter zu schnell satt, fressen sie nur wenige Mahlzeiten, das Futter verweilt zu lange an einer Stelle und es können sich gefährliche Blähungen bilden, die beim Kaninchen zu heftigsten Schmerzen und sogar zum Tode durch Kreislaufversagen führen können.

Kaninchen lassen sich beim Verdauen von Bakterien helfen. Diese Bakterienkulturen benötigen ein bestimmtes Milieu, in dem sie gut leben und arbeiten können. Durch Getreide wird der PH-Wert im Darm verändert, wodurch, vereinfacht gesagt, die "guten" Bakterien verdrängt werden und die "schlechten" Überhand nehmen. Auch Darmparasiten wie zum Beispiel Kokzidien oder Hefen, die vor allem bei Jungtieren und kranken Kaninchen tödliche Folgen haben können, werden durch eine sehr stärkereiche Nahrung begünstigt. Darmentzündungen und weitere Darmschäden können die Folge sein.

Dazu kommt noch, dass Kaninchen ihren Vitamin- und vor allem den Mineralstoffbedarf über Heu und Frischfutter schon reichlich decken können. Praktisch allen Alleinfuttern werden nebst synthetischen Vitaminen auch Mineralen, Aminosäuren, Aromen sowie eine Menge weiter Chemikalien zugesetzt. Die Vitamine und Mineralien oft in krasser Überdosierung. Durch die chronische Überversorgung entstehen viele Probleme, wie z.B. Mineralienablagerungen in Gefäßen und Organen. Die Folgen sind zum Beispiel Harngrieß, Nieren- und Blasensteinen, was auch wieder zu starken Schmerzen oder zum Tod der Tiere führen kann. Hinzu kommt, dass Kaninchen, die viel Trockenfutter erhalten, meist unter Flüssigkeitsmangel leiden, was Nieren- und Blasenleiden weiter begünstigt.

Und schliesslich ist Trockenfutter meist das, was bei anderen Produktionen übrig bleibt und hat daher oft miserable Qualität und nicht selten sind Motten im Futter (auch in teurem).

Zum guten Glück sind Kaninchen in dieser Hinsicht recht robust, sehr vielen Kaninchen gelingt es, eine Trockenfutterfütterung ohne bleibende Schäden zu überstehen und sogar (scheinbar) gesund zu bleiben. Meist ist der Darm solcher Tiere jedoch geschädigt und besonders empfindlich, was sich daran zeigt, dass Frischfutter schlecht vertragen wird. Zum Leid vieler Kaninchen werden solche Frischfutterunverträglichkeiten nur selten aufs Trockenfutter geschoben, obwohl fast immer das Trockenfutter schuld ist!

Wenn Sie noch Trockenfutter füttern und ihren Tieren etwas Gutes tun möchten, setzen Sie das Trockenfutter langsam ab. Dazu geben Sie jeden Tag ein bisschen weniger, bis gar nichts mehr im Napf landet. Es ist wichtig, dass das langsam gemacht wird, eben wegen besagten Bakterienkulturen, die sich nicht von einem zum anderen Tag umstellen können. Es hat sich bewährt, sich rund einen Monat Zeit für eine Futterumstellung zu nehmen. Bei Jungtieren kann man es schneller machen, weil die Darmflora sowieso noch im Aufbau ist und anpassungsfähiger. Außerdem haben sie das Trockenfutter ohnehin noch nicht lange bekommen.



Warum soll man keine Pellets füttern?


Pellets sind sehr trocken und quellen
Pellets quellen nach dem Fressen sehr stark, und vervielfachen dabei ihr Volumen. Das führt zu einer Reihe von Problemen. Die Gefahr ist gross, dass das Kaninchen zu viel vom Futter aufnimmt und den Magen überladen wird, da das Volumen erst nach dem Fressen steigt. Und natürlich muss das zusätzliche Volumen irgendwoher kommen, das geschieht dadurch, dass die Pellets dem Körper Wasser entziehen. Durch dieses Aufquellen und ihre oft energiereichen Inhaltstoffe machen Pellets zudem sehr satt, so dass die Kaninchen weniger Mahlzeiten zu sich nehmen, was dazu führt, dass das Futter im Darm schlechter weitertransportiert wird, dies kann sogar zu lebensgefährlichen Blähungen führen.

Bevor sie richtig vollgesogen sind, kleben Pellets sich gerne an Schleimhäuten fest, was für das Kaninchen unangenehm ist. An kleinen, feinen Pellets die in die Luftröhre gelangten und sich wegen der Klebrigkeit und Volumenvergrösserung nicht mehr herausschütteln liessen, sind sogar schon Kaninchen qualvoll erstickt!

Und auch die Konsistenz der gequollenen Pellets ist heikel. Die Zutaten werden oft deutlich feiner Vermahlen, als das Kaninchen das Futter mit seinen Zähnen zerkleinert. Der entstehende Nahrungsbrei kann sich mit dem übrigen Futter verdichten und zu Verstopfungen führen.


Pellets enthalten ungesunde und unkontrollierbare Inhaltstoffe
Pellets enthalten in der Regel allerlei Abfallstoffen aus anderen Produktionen, wie z.B. Bäckereierzeugnisse und Kleie (Abfälle aus der Mehlproduktion), Trester (Rückstände aus der Saftproduktion), Melasse (Abfall aus der Zuckerproduktion), oft auch allerlei undefinierte Zutaten z.B. pflanzliche Nebenerzeugnisse. Als Bindemittel wird gerne der billige, aber sehr schlecht verträgliche Weizen verwendet. Dass Abfallstoffe weiterverwerten werden, ist nicht prinzipiell schlecht, nur leider sind die Gesetze in der Tierfutterproduktion vielerorts nicht so streng, man kann sich also nie ganz sicher sein, ob nicht dann und wann auch verdorbene Ware mitverarbeitet wird. Und wie man schon obiger Auflistung entnehmen kann, landen auch gänzlich ungeeignete Stoffe gerne in den Pellets.

Zudem ist es weder für den Halter noch für das Kaninchen zu erkennen, wenn versehentlich sogar gefährliche Stoffe in den Pellets landen. So haben sich schon Kaninchen an Steinchen in Pellets die Zähne ausgebissen. Es ist auch durchaus denkbar, dass dann und wann mal eine verdorbene, tote Maus in die Futtermühle rutscht.

Auch werden die Pellets beim Pressen stark erhitzt. Dadurch alle Vitamine verloren. Daher werden die Vitamine danach wieder in synthetischer Form zu geführt und zwar extrem überdosiert. Viele Vitamine sind in Überdosis schädlich und hinterlassen bleibende Schäden, so steht z.B. das Vitamin D3 im Verdacht für Nierenschäden verantwortlich zu sein. Gerne wird den Pellets bei der Gelegenheit auch Aroma beigegeben - damit die Tiere sie überhaupt fressen. Solche Zusatzstoffe müssen in Deutschland bei Tierfutter nicht deklariert werden. Manche Futterhersteller geben dem Futter sogar Medikamente bei, wie z.B. Mittel gegen Kokzidien.